Martinszug mit 200 Kindern und Gästen

Mit leichter Verspätung feierte der Evangelische Kinderhort in Nittendorf am letzten Freitag St. Martin. Um fünf Uhr nachmittags setzten sich die rund 200 Kinder und Gäste mit den im Vorfeld im Hort selbst gebastelten Laternenfackeln durch den Nittendorfer Bürgerpark   in Bewegung. Dabei wurde kräftig und viel gesungen. Angekommen am Argula-von-Grumbach-Haus gab es dann neben der Martinsgeschichte, gelesen von Pfarrerin Sibylle Thürmel, noch mehr Musik und einen Lichtertanz für die Heiminsassen. Zurück im üppig geschmückten Hort ließen es sich die Gäste bei Knackersemmeln, Punsch und Martinsgänsen gut gehen. Das Feedback fast aller Kinder und der Eltern: „Eine sehr gelungene Veranstaltung!“




Schleckprobe mit „Wichern-Brand“

Weihnachten steht – fast – vor der Tür, aber die Bewohner des Wichern-Hauses, des sozialtherapeutischen Wohnheims der Diakonie, freuen sich auf Ostern. Das hat seine besondere Bewandtnis. Die hängt direkt mit dem Apfelbaum zusammen, der nahe beim Haus an einem Parkplatz steht. Wie viele Obstlieferanten in diesem Jahr trug auch dieser Baum heuer übermäßig viele Früchte. Aussichtslos diese alle zu essen und eine sachgerechte Lagerung ist in dem Wohnheim nicht möglich.

Weil der Parkplatz vom Wichern-Haus bewirtschaftet wird, Bewohner verdienen sich mit der Bewachung ein Taschengeld, durften die Äpfel geerntet werden. In dieser Zeit war eine nahegelegene Safterei noch geschlossen, deshalb entschloss sich der Sozialpädagoge Peter Rummel, Leiter des Heims, zusammen mit den Bewohnern aus den Äpfeln Schnaps brennen zu lassen. Eine Abordnung brachte das Obst, über 200 Kilo Äpfel, nach Thalmassing zu einem Bio-Hof. Zwei Wochen wurde dort eine Maische angesetzt, wobei Bewohner mithalfen Stiele und ungeeignete Stellen zu entfernen, und mehrere Wochen stehen gelassen.

Vor kurzem besuchte erneut eine Gruppe zusammen mit Rummel den Bio-Hof und konnte den ersten Brenngang mitverfolgen. Zusammen mit einm weiteren ergab es etwa acht Liter. Zwar konnten die Bewohner das hochprozentige Getränk bei einer Schleckprobe mit den Fingern kurz testen, doch muss der Brand bis Ostern reifen. Verdünnt mit vorbehandeltem Wasser kann er dann in Fläschchen abgefüllt und etikettiert als erster „Wichern-Brand“ angeboten werden. Den Geschmack, verrieten einige der Probierer, „konnte man beim ersten Schlecken schon erahnen!“




Gemüselasagne statt Fertigpizza

Plötzlich stehen sie in ihrem Appartement vor einer Kochzeile, haben Hunger und das erste was ihnen einfällt ist: „Pizza!“ Es ist zwar eine Pauschalierung, dass junge Menschen nicht mehr kochen können. Dennoch spielt es sich häufig so ähnlich ab, wenn 16-Jährige beim Betreuten Jugendwohnen der Diakonie erstmals in der eigenen Bude leben. Hier sind sie ganz für sich selbst verantwortlich. Fürs Betten machen und Wäsche waschen ebenso, wie dafür sich etwas zum Essen zu machen. Eine Fertigpizza in den Ofen schieben oder ein Fertiggericht in den Topf bekommt jeder hin, eine Gemüselasagne wohl eher nicht.

Über 30 junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren werden aktuell von Sozialpädagogen betreut und auf ihrem Weg in die Selbständigkeit unterstützt. Die stellen bei vielen große Defizite im Umgang mit Lebensmitteln und gutem Essen fest. Jugendliche haben hier einen besonderen Unterstützungsbedarf. Erna Watzlawick, die Leiterin des Jugendwohnens, und ihr Team haben deshalb ein Projekt entwickelt. Mit „Ernährung und Gesundheit“ wollen sie den Betreuten einen gesunden Lebensstil nahezubringen. Über Workshops und Kochangebote in den Gemeinschaftsküchen der Haus- und Wohngemeinschaften sollen sie lernen, was Zucker oder Alkohol im Körper anstellt, was Zusatzstoffe in Lebensmitteln bewirken und wie frische Lebensmittel einfach und lecker zubereitet werden. Vorgesehen sind auch ein Einkaufstraining und die Entwicklung von Handreichungen, mit welchen die Sozialpädagogen weiterarbeiten können. Diese werden von der Ernährungswissenschaftlerin Milena Watzlawik erstellt, die das Projekt inhaltlich organisiert.

Unterstützt und mit einem finanziellen Zuschuss gefördert wird dieses Projekt von der AOK-Direktion Regensburg. Sie sieht darin eine Prävention, durch die Mangel- oder Fehlernährung bei jungen Leuten vermieden werden kann. „Der Projektplan der Verantwortlichen hat uns überzeugt“, wandte sich AOK-Direktor Richard Deml bei der Übergabe eines Schecks an Sabine Rückle-Rösner, Vorstandsfrau bei der Diakonie, und Watzlawick. Abwechslungsreiche Kochabende und Workshops, sowie Anleitung und Schulung für die Betreuer seien eine gute Basis, „um den Jugendlichen das nötige Rüstzeug für einen gesunden Lebensstil nahezubringen“. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung trage „viel zu einer körperlichen und psychischen Stabilisierung  bei“, ergänzte Rückle-Rösner, zu deren Fachgebiet auch Gesundheitspädagogik gehört. Es sei der richtige Zeitpunkt, meinte sie, „wenn die jungen Leute zu uns kommen“, um nachhaltige Weichen für eine gesunde Lebensführung zu stellen. Defizite die vielleicht im Elternhaus entstanden sind, könnten dann noch aufgefangen werden. Bis zur Gemüselasagne und zum Veggie-Burger ist es mit den ersten Kochangeboten nicht mehr weit.