Gemüselasagne statt Fertigpizza

Plötzlich stehen sie in ihrem Appartement vor einer Kochzeile, haben Hunger und das erste was ihnen einfällt ist: „Pizza!“ Es ist zwar eine Pauschalierung, dass junge Menschen nicht mehr kochen können. Dennoch spielt es sich häufig so ähnlich ab, wenn 16-Jährige beim Betreuten Jugendwohnen der Diakonie erstmals in der eigenen Bude leben. Hier sind sie ganz für sich selbst verantwortlich. Fürs Betten machen und Wäsche waschen ebenso, wie dafür sich etwas zum Essen zu machen. Eine Fertigpizza in den Ofen schieben oder ein Fertiggericht in den Topf bekommt jeder hin, eine Gemüselasagne wohl eher nicht.

Über 30 junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren werden aktuell von Sozialpädagogen betreut und auf ihrem Weg in die Selbständigkeit unterstützt. Die stellen bei vielen große Defizite im Umgang mit Lebensmitteln und gutem Essen fest. Jugendliche haben hier einen besonderen Unterstützungsbedarf. Erna Watzlawick, die Leiterin des Jugendwohnens, und ihr Team haben deshalb ein Projekt entwickelt. Mit „Ernährung und Gesundheit“ wollen sie den Betreuten einen gesunden Lebensstil nahezubringen. Über Workshops und Kochangebote in den Gemeinschaftsküchen der Haus- und Wohngemeinschaften sollen sie lernen, was Zucker oder Alkohol im Körper anstellt, was Zusatzstoffe in Lebensmitteln bewirken und wie frische Lebensmittel einfach und lecker zubereitet werden. Vorgesehen sind auch ein Einkaufstraining und die Entwicklung von Handreichungen, mit welchen die Sozialpädagogen weiterarbeiten können. Diese werden von der Ernährungswissenschaftlerin Milena Watzlawik erstellt, die das Projekt inhaltlich organisiert.

Unterstützt und mit einem finanziellen Zuschuss gefördert wird dieses Projekt von der AOK-Direktion Regensburg. Sie sieht darin eine Prävention, durch die Mangel- oder Fehlernährung bei jungen Leuten vermieden werden kann. „Der Projektplan der Verantwortlichen hat uns überzeugt“, wandte sich AOK-Direktor Richard Deml bei der Übergabe eines Schecks an Sabine Rückle-Rösner, Vorstandsfrau bei der Diakonie, und Watzlawick. Abwechslungsreiche Kochabende und Workshops, sowie Anleitung und Schulung für die Betreuer seien eine gute Basis, „um den Jugendlichen das nötige Rüstzeug für einen gesunden Lebensstil nahezubringen“. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung trage „viel zu einer körperlichen und psychischen Stabilisierung  bei“, ergänzte Rückle-Rösner, zu deren Fachgebiet auch Gesundheitspädagogik gehört. Es sei der richtige Zeitpunkt, meinte sie, „wenn die jungen Leute zu uns kommen“, um nachhaltige Weichen für eine gesunde Lebensführung zu stellen. Defizite die vielleicht im Elternhaus entstanden sind, könnten dann noch aufgefangen werden. Bis zur Gemüselasagne und zum Veggie-Burger ist es mit den ersten Kochangeboten nicht mehr weit.