Bio-Futter für den Ruhestand

Statt Blumen und Schälchen mit Naschereien, zierten Tütchen mit Katzenfutter die Tische bei der Abschiedsfeier für Dr. Ernst Lack. Nach 33 Jahren als Schuldenberater im Dienst der Diakonie ist der Volkswirtschaftler kürzlich mit 63 Jahren vorzeitig in Ruhestand gegangen. Im Wiener-Haus organiseirten ihm Kolleginnen aus der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle zusammen mit anderen eine Feier. Mit umgetexteten Schlagerliedern und Reden würdigten sie den künftigen Ruheständler und hoben ein ums andere Mal seine Verdienste beim manchmal schwierigen Umgang mit den Menschen hervor. Monika Huber hob seine „unglaubliche Hilfsbereitschaft“ und „totale Kompetenz“ hervor, mit welcher Lack „bei Entschuldungen manchmal Sachen erreicht“ habe, „die eigentlich garnicht möglich sind“. Evi Kolbe-Stockert, als seine nächste Kollegin, überraschte den überzeugten Veganer mit mit einem Präsentkorb voller Öko-Leckereien, Bio-Bieren und einem Abo der Zeitschrift GEO. Sie forderte ihn auf, das biologisch erzeugte Katzenfutter ebenfalls mitzunehmen und damit seine Katzen zu Hause zu verwöhnen. 

Fast ein wenig verlegen bedankte sich der Beschenkte. Er sei „froh, dass ich jetzt morgens ausschlafen“ und sich dann um die Katzen kümmern könne. Es sei schon manchmal anstregend gewesen, früh morgens mit dem Bus aus Wörth zu kommen und dann zu erleben, dass „Leute, die man mühsam von ihren Schulden runtergebracht“ habe, plötzlich mit neuen Schulden „wieder auf der Matte“ stünden. Das habe ihn schon etwas zermürbt und müde gemacht, meint der Frührentner im jugendlich wirkenden Sweatshirt. Oft habe er erleben müssen, dass die Menschen, die wegen Hilfe zu ihm gekommen seien, „das Gegenteil davon getan haben, was sie gesagt“ hätten. Dennoch hat der engagierte Berater in seiner langen Berufskarriere „vielen hundert, wahrscheinlich ein paar tausend Menschen“ mit seiner sachkundigen Beratung und sein zähes Verhandlungsgeschick spürbar geholfen. Seiner Kollegin und seinem Nachfolger, versprach er, „stehe ich jederzeit mit Rat und Tat zur Seite“ und komme auch mal ins Büro, wenn es „telefonisch nicht geklärt werden kann“.